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Vor Ort: aktive Flüchtlingsarbeit der DWJ Rheinbach

In der Winter-Ausgabe der Zeitschrift "WALK&more" der Deutschen Wanderjugend Bund erschien das folgende Interview mit Barbara Wüst vom Eifelverein Rheinbach. Darin berichtet sie, wie DWJ Gruppen bereits vor Ort aktive Flüchtlingsarbeit leisten.

Liebe Barbara, wärst Du so nett Dich kurz vorzustellen und zu erzählen, wie Du zum Wandern und dem Eifelverein gekommen bist?

Mein Name ist Barbara Wüst, ich bin 47 Jahre alt, Apothekerin und Mutter von 2 Kindern. Meine Kinder haben bei den Veranstaltungen des Eifelvereins teilgenommen. Man backt mal einen Kuchen, dann hilft man hier und mal dort, und irgendwann bin ich von Elsbeth Bois angesprochen worden einen Ausflug zu begleiten. Der Bus, der uns in den Nationalpark Eifel bringen sollte, kam aber nicht. Während Elsbeth versuchte mit dem Busunternehmen Kontakt aufzunehmen, hatte ich ein anderes Busunternehmen gefunden, das einspringen konnte. Es wurde dann noch ein sehr schöner Ausflug und seitdem bin ich mit im Team und organisiere selbst Aktivitäten.


Du bist im Helferkreis Rheinbach aktiv. Wie und warum wurde dieser Kreis gegründet?

Der FHKR (Flüchtlingshelferkreis Rheinbach) wurde im November 2014 gegründet aus dem Gefühl heraus, dass die in Rheinbach lebenden Flüchtlinge Unterstützung vielfältiger Art benötigen. Einige Bürger haben sich formlos zusammengetan und die Flüchtlinge zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen. Eine Art Adventsfeier, um ihnen gleich ein bisschen unsere Kultur näher zu bringen. Wir fingen mit zwei Deutschkursen an, einem Alphabetisierungskurs und einem „fortgeschrittenen“ Kurs. Heute sind es eine Vielzahl von Kursen.


Wie viele Menschen engagieren sich in diesem Helferkreis und mit welchen Aufgaben?

Im Moment sind es ca. 85 ehrenamtliche Helfer, Tendenz steigend.
Die Tätigkeitsfelder sind:
Begrüßung
Schaffung eines regelmäßigen Begegnungsangebot
Internationales Café
Deutschkurse
Hausaufgabenbetreuung der Schulkinder
Schulanmeldungen
Hilfe bei dem kompletten Schriftverkehr wie Briefe / Post
Begleitung bei Amts- und Arztbesuchen
Vermittlung von Familienpatenschaften
Fahrradschule
Freizeitaktivitäten
Ferienprogramme für die Flüchtlingskinder


Flüchtlingsarbeit betreibst Du aber nicht nur über den Helferkreis, sondern auch im Eifelverein. Wie kam es dazu, dass Du Flüchtlingsarbeit auch im Eifelverein betreibst und wie wurde das von dessen Mitgliedern aufgenommen?

Ich wollte eine Verbindung zwischen Eifelverein und Flüchtlingen schaffen. Da kam mir die Idee einer Kennenlernwanderung. Mit 63 Personen wurde sie sehr gut angenommen. Herr Kessel (Vorstand) hat mir sofort Unterstützung zugesichert. Viele Mitglieder haben mir gleich ihre Hilfe angeboten. Einige unserer jungen Mitglieder haben uns begleitet und bei den Aktivitäten unterwegs geholfen.


Was sind das für Flüchtlinge? Aus welchen Ländern, welches Alter? Sind es vor allem junge Männer oder auch Mädchen?

Wir haben in Rheinbach zurzeit 420 Flüchtlinge aus 28 Nationen, Familien, vor allem junge Männer und nur wenige Frauen, die Zahl der Flüchtlinge steigt jede Woche an.
Was machst Du konkret mit den Jugendlichen?
Wir binden Sie in unser Kinder-, Jugend- und Familienprogramm ein. Ich spreche gezielt Flüchtlingskinder an, hole sie von zu Hause ab, nehme sie bei unseren Aktivitäten mit und bringe sie dann wieder nach Hause.
 
Gibt es dabei Schwierigkeiten oder funktioniert das ganz unkompliziert?

Je nachdem was die Flüchtlinge erlebt haben fühlen sie sich unter freiem Himmel nicht sehr sicher. Sie brauchen Zeit. Auch sind die meisten Flüchtlingskinder solche Freizeitaktivitäten nicht gewohnt, Sie kennen auch nicht, dass man regelmäßig in einen Sportverein geht. Sie wissen wenig über den Wald und ihre Bewohner. Sie können sich auch nicht vorstellen, dass so ein Hügel Erde von einem Tier, namens Maulwurf kommt. Es ist immer schwierig, den Eltern vorher zu erklären, was ihr Kind erleben wird. Die Sprache stellt oft das größte Problem dar. Es geht viel nur über Vertrauen und Verständigung mit Händen und Füssen.
Da wir immer unterschiedliche Treffpunkte für unsere Aktivitäten haben, habe ich mir angewöhnt die Kinder abzuholen, damit es keine Missverständnisse gibt. Auch pünktlich irgendwo zu erscheinen ist für manche (gerade für die, die neu angekommen sind) schwierig. Mir sagte mal ein Vater aus Irak "Bei uns ist eine Stunde nix!". Unsere Kennenlernwanderung ging auch 30 min später los, als geplant.

Was war Dein schönstes Erlebnis beim Umgang mit den Flüchtlingen?

  • Es gibt einige schöne Erlebnisse. Z. B. sagte mir ein 17 jähriger Junge, auf englisch, wenn er mal gut deutsch sprechen kann, möchte er auch das tun, was ich tue.
  • Bei unserer Kennenlernwanderung waren auch junge Mitglieder aus unserem Verein dabei. Als sich ein kleines Flüchtlingsmädchen an Brennnesseln verbrannte, gingen unsere Mädchen hin, suchten Spitzwegerich und hielten es ihr an die verbrannte Stelle. Am Ende unserer Wanderung hatte jedes dieser Mädchen 2 Flüchtlingskinder an jeder Hand.
  • Oder, wenn ich von Kindern angesprochen werde, wann ich wieder wandern gehe. In solchen Momenten freue ich mich sehr.

 

Wenn sich andere Wandergruppen, auch für Flüchtlinge engagieren möchten, was würdest Du denen empfehlen, wie sie das tun können?

Einfach in eine Flüchtlingsunterkunft mit vielen Kindern gehen und sich mal vorstellen. Es gibt oft Gemeinschaftsküchen. Man kann auch einen Kuchen mitnehmen und es wird nicht lange dauern, bis man einen Kaffee dazu angeboten bekommt. Oft holen sie schnell von sich aus jemanden, der ein bisschen englisch oder französisch spricht, um sich zu verständigen.
 
An welche Stellen können sich die Gruppen wenden, wenn sie Hilfe benötigen?

Im Internet gibt es Seiten für die, die Hilfe suchen und Seiten für die die Hilfe anbieten, wie z. B. ehrenamtliche Helfergruppen, Flüchtlingscafés, Kirchenverbände Caritas, Deutsches Rotes Kreuz; Neue Pfade, man kann auch in Schulen nachfragen und selbst Hausaufgabenhilfe, Freizeitangebote, Betreuungszeit anbieten, wenn die Eltern z. B. einen Deutschkurs besuchen.

 

Interview: Torsten Flader
Fotos: Barbara Wüst