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Embkener Bahnhof erneut Heim für Sommerferienaktion

Drei Tage lang ein abwechslungsreiches Programm. Zum nunmehr vierten Mal hatte die Deutsche Wanderjugend  im Eifelverein Nideggen nach Embken zu ihrer Ferienaktion eingeladen. Insgesamt waren 16 Kinder und Jugendliche der Einladung gefolgt. Die Aktion stand unter dem Motto „Vergangenheit trifft Zukunft“.

Die Jugendlichen wandelten auf den Spuren der Embkener Juden, die Kinder beschäftigten sich hauptsächlich mit zum Teil vergessenen Kinderspielen.
Jugendwartin Rabea Assenmacher war es auch dieses Mal wieder gelungen, ein engagiertes Team auf die Beine zu stellen. Das waren Kira, ihre Tochter, als stellvertretende Jugendwartin der Ortsgruppe und Jugendbeiratsmitglied der Deutschen Wanderjugend im Landesverband NRW, Heike Müller, Silvia Müller, Chris Müller sowie Franz-Josef Brandenburg.
Am Vormittag des ersten Tages übten die Kleinen sich hauptsächlich im Kartoffeldruck. Das Resultat waren farbenfrohe Bilder auf Canvas-Leinwänden. Die Großen machten sich nach einer kurzen Einführung mit Franz-Josef Brandenburg zu einigen der Stätten auf, die früher das jüdische Leben in Embken ausmachten. So erfuhren sie, dass dieser Ort wegen seiner recht hohen Anzahl jüdischer Einwohner „et Jüddedörp“, das Judendorf also, genannt wurde.
Erste Station waren die Neffeltalstraße und die Stelle, an der sich bis zur Pogromnacht 1938 die 1867 eingerichtete Synagoge befunden hatte. Ganz in der Nähe sahen sie den Stolperstein für Arthur Weil. Für viele von ihnen war es das erste Mal, dass sie solch einen Stein sahen und dessen Bedeutung erfuhren. Weiter ging es zum Dorfplatz und dem am 8. Mai 1985 eingeweihten Mahnmal zur Erinnerung an die frühere Synagogengemeinde. Auf dem Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege entdeckten sie den Namen von Gustav Schwarz, der am 20. Juli 1917 als Soldat fiel.
Letzte Station dieses Vormittags war der jüdische Friedhof auf dem Mühlenberg, wo sie – wie es heute Brauch ist – kleine Steine als Gruß an den Toten auf einzelne Gräber legten. Alle waren zu tiefst beeindruckt vom grauenhaften Vorgehen Hitlers und seiner Schergen.
Den Nachmittag verbrachten die Kleinen mit Franz-Josef Brandenburg und Besuchen der ersten Embkener Schule, der Mühle Schwinges, der ehemaligen Dorfwaage, der Burg und des wohl ältesten Embkener Hauses.  
Am zweiten Tag gab es zunächst einen Ausflug zum LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Titz-Rödingen. Die 1841 errichtete Synagoge bildet zusammen mit dem Wohnhaus der jüdischen Familie Ullmann das einzige weitgehend im Originalzustand erhaltene Gebäudeensemble dieser Art im westlichen Rheinland. Den jungen Leuten wurden die Grundlagen der jüdischen Lebenswelt erläutert. Auch wurden sie zum genauen Hinschauen und Nachfragen ermuntert. Ferner bekamen sie die jüdischen Speisevorschriften erklärt nach dem Motto: „Koschere Küche - Was kommt rein? Was lass sein?“ Für die älteren Teilnehmer gab es schließlich eine Rallye, für die jüngeren ein Memory-Spiel.
Nach der der Rückkehr in Embken von diesem doch – und das nicht nur wegen der Hitze – anstrengenden Tag freuten sich alle über Guidos Wraps und Obstsalat.
Den Freitagmorgen verbrachten die Jugendlichen zunächst mit weiteren Informationen über die Embkener Juden. Danach ging es für sie zum Besuch bei der 94-jährigen Zeitzeugin Elisabeth Scheidtweiler. Sie wohnt in einem Haus, in dem früher die jüdische Familie Schönfeld einen kleinen Lebensmittelladen geführt hatte, der später von den Nichten Herta und Rosa Roer übernommen wurde. Während Herta – zwischenzeitlich verheiratete Nathan – 1939 die Flucht über Kuba in die USA gelangte, gilt ihre Schwester als verschollen.
Frau Scheidtweiler wusste sehr viel über das Schicksal der Embkener Juden zu berichten. Als sie schließlich von ihrer gleichaltrigen Freundin Ruth Kahn zu erzählen begann, standen ihr und einigen Zuhörern die Tränen in den Augen. Andere bekamen eine Gänsehaut. Ruth war ein bildhübsches Mädchen mit langen schwarzen Haaren, für das alle Jungen schwärmten.
Elisabeth Scheidtweiler verbrachte einen Großteil ihrer Freizeit im Haus Kahn, blieb sogar trotz des Verbots ihrer Mutter zum Beginn des Sabbats und aß mit den Kahns Matzen und Kugel, einen Kartoffelauflauf. Sogar der Beginn eines jüdischen Gebets aus diesem Anlass ist ihr noch in Bruchstücken in Erinnerung.
Aber eines Tages hatte all das ein Ende. Ruth und ihr Bruder Helmut waren von einem auf den anderen Tag spurlos verschwunden. Niemand weiß, was mit ihnen geschehen ist. Es ist aber anzunehmen, dass sie in den Tod deportiert wurden. Dass sie nichts mehr über ihre gute Freundin in Erfahrung bringen konnte, lässt Frau Scheidtweiler auch heute noch keine Ruhe.
Während ihres Besuchs bei Frau Scheidtweiler versuchten die jüngsten der Gruppe sich im Herstellen von Teig und dem späteren Abbacken der z.T. lustigen Figuren und Formen. Gestärkt durch ein wiederum sehr leckeres Mittagessen aus Guidos Küche gab es weitere Spiele wie Hüpfkästchen, das Flechten von Armbändchen oder das Spiel vom Werwolf sowie das überaus beliebte Geocasching.
Das ist eine Art von Schnitzeljagd, bei dem mit dem Handy oder GPS-Gerät in der Regel ein wasserdichter Behälter gesucht wird, in dem sich ein Logbuch sowie häufig auch verschiedene kleine Tauschgegenstände befinden.
Zum Abschluss dieser drei für alle äußerst erlebnisreichen Tage hatten sich neben zahlreichen Eltern auch Nideggens Bürgermeister Marco Schmunkamp, Embkens Ortsvorsteher Heinrich Esser, Daniel Kaminski, der Hauptjugendwart des Eifelvereins, sowie dessen Geschäftsführer Manfred Rippinger eingefunden, die alle lobende Worte für das Organisationsteam fanden.
Während der drei Tage begleitete Claudia Eisenstein, geschäftsführende Bildungsreferentin der Deutschen Wanderjugend, Landesverband NRW in Wuppertal, die einzelnen Aktionen.
Das vor dem Hintergrund, dass angedacht ist, eine Partnerschaft zwischen eine israelischen Organisation und der Wanderjugend einzugehen. Sie wird im November nach Israel fliegen, um dort weitere Gespräche zu führen und die Wanderjugend näher vorzustellen. Mit dabei: Rabea Assenmacher.
Aus diesem Grund wurde auch der Besuch in der Rödinger Synagoge gefilmt. Ein Teil der Aufnahmen: ein Gruß nach Israel.